Antifa Herzogtum Lauenburg [AHL]

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Lübecker Nachrichten, 14.01.2012

Rechter Mordaufruf: Ermittlungen in Ratzeburg


Nazi-Graffiti empören die Kreisstadt. Die Polizei bittet die Öffentlichkeit um Mithilfe.


Manfred Börner, Polizeichef der Kreisstadt, stellt sich vor dem beschmierten Ratzeburger Rathaus den Fragen eines TV-Teams.
Foto: ln


Ratzeburg – Nazi-Graffiti empören die Kreisstadt. Die Polizei bittet die Öffentlichkeit um Mithilfe.

„Das hat schon eine neue Dimension“, bewertete gestern Frauke Eiben, Pröpstin des Kirchenkreises Herzogtum Lauenburg und Mit-Vorsitzende des Ratzeburger Bündnisses für Demokratie und Toleranz, die jüngsten Ereignisse. Nicht nur ihr Privathaus, sondern zahlreiche öffentliche und private Gebäude auf der Insel der Stadt Ratzeburg wurden in der Nacht zu gestern mit rechtsextremistischen, sexistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Parolen besprüht. Selbst vor Morddrohungen gegen den Bürgermeister der Stadt Ratzeburg, Rainer Voß, und andere Mitglieder des Ratzeburger Bündnisses schreckten die Unbekannten nicht zurück.

Manfred Börner, Chef der Ratzeburger Polizei, vermutet die Verantwortlichen in der rechtsextremen Szene. Ausschlaggebend für die nächtliche Aktion – „die Kollegen aus dem Nachtdienst haben die Schmierereien gegen zwei Uhr morgens am Freitag entdeckt“ – sei offenbar ein Interview des Bürgermeisters Voß in den Lübecker Nachrichten gewesen. Hier nahm dieser am vergangenen Sonntag Stellung zu in jüngster Vergangenheit aufgetretenen rechtsradikalen Tendenzen und Aktionen – in der Silvesternacht war es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei auf dem Ratzeburger Markt gekommen – und in der Umgebung: Man müsse solche Aktivitäten konsequent benennen und outen, was das Ratzeburger Bündnis, dessen Vorsitzender er neben Pröpstin Eiben ist, auch tue. Voß erklärte gegenüber den LN: „Wichtig ist die Solidarität der Bevölkerung. Ich bin froh über sehr viele aufmunternde Rückmeldungen auf diese Schmierereien. Die Empörung ist groß.“ Angst vor weiteren rechtsextremen Aktionen habe er nicht. Voß: „Wir treten diesen Handlungen energisch entgegen, jetzt und in Zukunft.“

Frauke Eiben hat schon etliche anonyme Briefe und Beschimpfungen über das Internet oder auf Flugblättern hinnehmen müssen. Jetzt mache es sie „wütend, wenn ich sehe, dass diese Leute mit ihren Graffiti Dinge und Worte beschmutzen, die mir wichtig und heilig sind“, wie etwa just die Aufschrift der „Heiligen Drei Könige“ vom vergangenen Wochenende an oder über ihrer Haustür. „Das motiviert und bestärkt mich erst recht, weiter zu machen“ – im Kampf gegen die neonazistischen Aktionen.

Michael Schröder, Fraktionschef der Linkspartei im lauenburgischen Kreistag, reagierte auf die mittlerweile dritte Farbattacke auf sein Auto und sein Wohngebäude so: „Ratzeburg ist und bleibt bunt statt braun. Wir fordern das Verbot aller faschistischen Organisationen, inklusive der NPD und aller anderen rechten Vorfeld-Organisationen!“

Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU), der im benachbarten Mölln wohnt, erklärte: „Ich verurteile das auf das Schärfste. Wir werden mit allem Nachdruck daran arbeiten, dass diese Taten aufgeklärt werden und wir die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen können. Alle notwendigen polizeilichen Maßnahmen sind eingeleitet. Ich habe Bürgermeister Voß versichert, dass ich persönlich hinter den Zielen des Bündnisses stehe und es unterstützen werde.“

Über Personenschutz der jetzt in Ratzeburg bedrohten Menschen denkt man bei der Polizei nach. „Aber wir werden keine Rund-um-die-Uhr-Bewachung stellen können“, erklärte Börner. Selbstverständlich würden die Wohnsitze der Bedrohten häufiger von den Streifen angefahren. „Insbesondere müssen wir aber vor allem die Bevölkerung bitten, uns bei verdächtigen Aktionen, die sie – vor allem abends oder nachts – beobachten, schnell zu informieren.“ LN

 

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